SelfDiag gestartet: Erstes Konsortialtreffen im DFGZ Olpe

Was passiert, wenn Patient:innen nicht nur untersucht werden, sondern selbst aktiv Teil einer diagnostischen Untersuchung werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt von SelfDiag — und seit dem ersten Konsortialtreffen im Digitalen Facharzt- und Gesundheitszentrum der Arztpraxis Spieren & Kollegen in Olpe wird sie nicht mehr nur diskutiert, sondern erforscht.

Das Projekt ist offiziell gestartet. Universität Siegen, DFGZ Olpe und Railslove arbeiten in den kommenden zwei Jahren gemeinsam daran, neue Ansätze für patientengeführte Routinediagnostik zu gestalten — mit dem Ruhe-EKG als erstem konkreten Anwendungsfall.

Warum jetzt, warum hier

SelfDiag reagiert auf Herausforderungen, die in der Gesundheitsversorgung schon länger sichtbar sind: demographischer Wandel, Fachkräftemangel, lange Wartezeiten und zunehmender Versorgungsdruck — besonders in ländlichen Regionen wie Südwestfalen. Fachärztliche Versorgung ist dort oft weit entfernt, Wartezeiten sind lang, und das vorhandene medizinische Personal ist stark ausgelastet.

Patientengeführte Routinediagnostik kann eine mögliche Entlastungsstrategie sein — aber nur dann, wenn sie medizinisch sinnvoll, organisatorisch integrierbar und für Patient:innen gut gestaltet ist. Genau das untersucht SelfDiag.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um Selbstdiagnostik zu Hause oder unkontrollierte medizinische Anwendungen. Im Fokus steht die Durchführung diagnostischer Routineuntersuchungen in einem medizinischen Zentrum, mit professioneller Technik und eingebettet in einen Versorgungskontext. Die Diagnose bleibt ärztliche Verantwortung — was sich ändert, ist die Rolle der Patient:innen im Prozess davor.

Drei Perspektiven, ein Kontext

Was das Projekt von einem rein technischen Ansatz unterscheidet, ist die Kombination aus drei sehr unterschiedlichen Blickwinkeln — und die Tatsache, dass sie von Anfang an zusammengedacht werden.

Die Arbeitsgruppe Experience & Interaction Design der Universität Siegen bringt die Forschungsperspektive ein: Wann wird eine selbst durchgeführte Untersuchung über den diagnostischen Zweck hinaus bedeutsam? Wenn Patient:innen ihren Körper, die Untersuchung oder ihre medizinische Situation besser einordnen können — was verändert das?

Das DFGZ in Olpe ist nicht nur Durchführungsort, sondern aktiver Anwendungspartner. Neue Ansätze entstehen dort nicht abstrakt, sondern direkt im laufenden Versorgungsbetrieb. Das ist ein entscheidender Unterschied zu Laborumgebungen.

Railslove bringt die Perspektive der digitalen Produktentwicklung ein. Es geht nicht nur um ein funktionierendes Interface, sondern um eine digitale Begleitung, die für Menschen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen, Erwartungen und möglichen Ängsten verständlich und zugänglich ist. Technologie in einer medizinischen Untersuchung muss nicht nur Anweisungen geben — sie muss Orientierung und Vertrauen unterstützen.

Was beim ersten Treffen entstand

Das Konsortialtreffen in Olpe war kein formaler Kick-off, sondern ein erster echter Austausch. Die drei Partner haben ihren jeweiligen Projektstand besprochen, die unterschiedlichen Perspektiven zusammengeführt und die nächsten Schritte abgestimmt. Besonders wertvoll war dabei das gemeinsame Gespräch direkt vor Ort — im Raum, in dem die Untersuchungen später stattfinden werden.

Der direkte Kontakt mit dem Versorgungskontext macht einen Unterschied. Viele Fragen, die sich in der Planung abstrakt anfühlen, bekommen vor Ort eine andere Qualität: Wie betritt jemand den Raum? Wo steht die Technik? Was sieht eine Person zuerst, wenn sie die Untersuchung beginnt?

Wie es weitergeht

In den nächsten zwei Jahren — Laufzeit bis April 2028 — wird SelfDiag schrittweise von der Konzeptphase über einen funktionalen KI-Avatar-Demonstrator bis hin zu einem integrierten EKG-Ecosystem entwickelt. Das Ziel ist ein übertragbares Modell für patientengeführte Selbstdiagnostik, das über das Ruhe-EKG hinaus auf andere Routineuntersuchungen anwendbar ist.

SelfDiag wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert und durch die REGIONALE 2025 begleitet. #efrenrw